Was ihr schon immer über Weihnachten in Island wissen wolltet...
Kleine isländische Weihnachtskunde
Dieser Tage ereilen mich wieder viele Fragen danach, wie denn in Island Weihnachten gefeiert wird. Diese Tatsache will ich zum Anlass nehmen, ein paar Zeilen darüber zu schreiben, wie ich Weihnachten bisher in Island erlebt und gefeiert habe. Das Ganze enthält eine stark persönliche Komponente, aber es löscht vielleicht den ersten Wissensdurst...
Weihnachtsmänner
In Island gibt es keinen hl. Nikolaus, aber DER Weihnachtsmann ist überall in den Vorgärten und auf den Weihnachtskarten präsent.
Die entscheidende Rolle spielen aber die dreizehn, Weihnachtsmänner genannten, Söhne der schrecklichen Riesin Grýla und ihres ebenso schrecklichen und hässlichen Ehemannes Lepalúði. Diese 13 furchterregenden Gestalten haben über die Jahrhunderte hinweg den Kindern Angst eingeflößt. Sie tragen Namen wie: Türenschläger, Milchdieb, Topfschlecker, Fenstergucker......die deren jeweilige Haupterschreckensaufgabe bezeichnet (siehe auch unseren isländischen Weihnachtskalender).
In den letzten 2 Jahrhunderten haben diese Weihnachtsmänner allerdings etwas an ihrem Schrecken verloren, aber nach wie vor kommen sie jeweils nacheinander aus den Bergen in die Siedlungen der Menschen. Der Erste kommt 13 Tage vor Weihnachten, der Letzte kommt an Heilig Abend. Am ersten Weihnachtstag verschwindet der Erste wieder in den Bergen, der Letzte ist am 6. Januar verschwunden. Der 6. Januar wird aus diesem Grunde Þréttándinn - der Dreizehnte – genannt und das Verschwinden der Weihnachtsmänner wird mit einem großen Freudenfeuer begangen.
Neben den Weihnachtsmännern gibt es außerdem noch die furchtbare jólaköttur – Weihnachtskatze-, welche alle Kinder frisst, die keine Geschenke bekommen haben. Aus diesem Grunde wird sehr viel Wert darauf gelegt, dass jeder Mensch ein, wenn auch noch so kleines, Geschenk erhält.
Soviel zur Geschichte...
Þórláksmessu, 23. Dezember
Der Tag vor Heilig Abend ist ein ganz besonderer Tag auf Island. Dieser Tag des isländischen Heiligen þórlákur läutet die Weihnachtszeit ein. Es ist ein Tag, an dem man
seine letzten Besorgungen macht (die Geschäfte haben fast alle bis 23.00 Uhr geöffnet)
Freunde und Bekannte besucht und mit Geschenken überhäuft
die Weihnachtskarten an die Lieblingsnachbarn in die Briefkästen verteilt
sich verfaulten Fisch (Skata = Teufelsrochen, aber nicht mit verfaultem Haifisch zu verwechseln) zum Mittagessen antut oder als Alternative Salzfisch mit ausgelassenem Lammschmalz, Kartoffeln und süßem Roggenbrot wählt
ab 13.00 Uhr bis Mitternacht das Radio eingeschaltet hat und auf mehrere Tausend Weihnachtsgrüße „von Landsmännern an Landsmänner“ lauscht
und sich auf das bevorstehende Fest freut.
Dieser Tag ist ein wirklich besonderer Tag!
Heilig Abend und die Weihnachtstage...
...verbringt man im Kreise der Familie. Mit Weihnachtsbaum (echtem oder unechtem), reichhaltigem Essen und Wein, vielen vielen Geschenken und noch mehr Pralinenkästen (es ist eine Unglaublichkeit, wieviele Pralinenkästen jedes Jahr den Besitzer wechseln....). Man besucht die Kirche und hängt die restliche Zeit faul um den Weihnachtsbaum herum. Wir Bauern müssen natürlich unsere Tiere versorgen und die dabei geschluckte frische Luft ist eine willkommene Abwechslung.
Alles in allem ein wunderbares und ruhiges Fest!
Typisches Weihnachtsessen
Spätestens an þórláksmessu durchströmt der etwas gewöhnungsbedürftige Duft des hangikjöt (Rauchfleisch vom Lamm oder Schaf) ein jedes Haus. Weihnachten ohne hangikjöt wäre kein Weihnachten für einen Isländer. Man isst es warm oder noch lieber kalt. Dazu knabbert man laufabrauð, ein hauchdünnes, reich verziertes in Schmalz gebackenes Brot, welches man in der Vorweihnachtszeit mühevoll herstellt oder steikt brauð, ein etwas nahrhafteres auch in Schmalz gebackenes Fladenbrot. Stillt man seinen Durst mit einem nichtalkoholischen Getränk, dann ist jólaöl hoch im Kurs: ein süßes, klebriges, aber durchaus sehr schmackhaftes Malzgetränk.
Schneehühner zählten zu einer der Weihnachtsdelikatessen, aber durch die sich immer mehr ausbreitende Jagd auf diese kleinen, wunderschönen Vögel, hat sich die Population so stark verringert, dass das Schneehuhn im Jahr 2003 unter Naturschutz gestellt wurde. Aber man isst auch gerne eine Wildgans als Alternative. Das Jagdverbot wurde teilweise im Herbst 2005 wieder aufgehoben, so dass es wieder einige Hühner auf dem Teller geben wird.
Weiterhin typisch ist geräuchertes Schweinefleisch. Und nebenbei gibt es noch unzählige Sorten an Plätzchen, Kuchen und weiteren Süßigkeiten......Kalorien zählen wird über das Fest wohl jeder aufgeben...
Jahreswechsel
Am Abend des 31. Dezembers trifft man sich zu einem gemeinsamen Feuer. Bei uns wird dieses in Varmahlið abgehalten und man trifft Freunde, Bekannte und Nachbarn und staunt das Feuer an. Anschließend veranstaltet unsere örtliche Rettungsmannschaft ein wunderschönes Feuerwerk. Danach springen alle für gewöhnlich in ihre Autos, um nicht den im Fernsehen ausgestrahlten traditionellen, kabarettistischen Jahresrückblick zu verpassen, denn der bietet Gesprächsstoff für die ersten Tage im Jahr.
Bei uns im Tal wird glücklicherweise um Mitternacht kaum geknallt, denn alle haben Angst, ihr Tiere zu verschrecken, die ja nicht einmal den Knall eines sommerlichen Gewitters kennen. Um Mitternacht wird angestoßen und jeder feiert weiter, wie es ihm beliebt...
Frohes Neues Jahr!
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